Welcher Energieausweis passt zum Gebäude?
Beim Verkauf oder bei der Neuvermietung eines Wohngebäudes ist häufig ein Energieausweis erforderlich. Ob ein Verbrauchsausweis zulässig ist oder ein Bedarfsausweis benötigt wird, hängt unter anderem von Baujahr, Zahl der Wohnungen und energetischem Zustand ab. Ich kläre zunächst, welche Ausweisart für Ihr Gebäude infrage kommt.
Der Energieausweis beschreibt energetische Kennwerte des Gebäudes. Er ist weder eine Verbrauchsgarantie für einzelne Bewohner noch eine detaillierte Sanierungsplanung. Für eine konkrete Investitionsentscheidung ist häufig eine weitergehende Betrachtung sinnvoll.
Verbrauchsausweis: Auswertung tatsächlicher Verbräuche
Der Verbrauchsausweis nutzt die dokumentierten Verbräuche für Heizung und Warmwasser. Witterungseinflüsse werden rechnerisch berücksichtigt; längere Leerstände müssen ebenfalls einbezogen werden.
Benötigt werden Verbrauchsdaten für mindestens 36 zusammenhängende Monate. Das Ende der jüngsten enthaltenen Abrechnungsperiode darf höchstens 18 Monate zurückliegen. Geeignet sind beispielsweise Heizkostenabrechnungen oder nachvollziehbare Liefer- und Verbrauchsdaten. § 82 GModG
Der Verbrauch wird auch durch Raumtemperaturen, Belegung und Nutzerverhalten beeinflusst. Ein niedriger Verbrauch allein bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die Gebäudehülle gut gedämmt ist.
Bedarfsausweis: Rechnerische Bewertung des Gebäudes
Beim Bedarfsausweis werden Gebäudehülle und Anlagentechnik anhand ihrer Eigenschaften bewertet. Dazu gehören Geometrie, Außenwände, Dach, Boden beziehungsweise Kellerdecke, Fenster und Türen sowie Heizung, Warmwasserbereitung und Lüftung.
Der Vorteil ist eine Bewertung unter standardisierten Bedingungen. Das Ergebnis lässt sich dadurch besser unabhängig vom bisherigen Heizverhalten einordnen. Die Qualität der Berechnung hängt jedoch von einer belastbaren Aufnahme der Gebäudedaten ab.
Mein Vorgehen
- Ausweisart klären: Gebäudedaten, Anlass und vorhandene Unterlagen prüfen.
- Daten aufnehmen: Verbrauchsdaten oder die Eigenschaften von Gebäude und Anlagentechnik zusammenstellen.
- Plausibilität prüfen: Flächen, Baujahre, Modernisierungen und Verbrauchsangaben auf Widersprüche untersuchen.
- Ausweis erstellen und erläutern: Kennwerte und energetische Auffälligkeiten verständlich einordnen.
Fehlen wesentliche Unterlagen, lässt sich die Datengrundlage durch eine Gebäudeaufnahme ergänzen.
Welche Unterlagen werden benötigt?
Hilfreich sind Baujahr, Zahl der Wohneinheiten, Grundrisse und Flächenangaben, Informationen zu Heizung und Warmwasser sowie Nachweise früherer Modernisierungen. Für den Bedarfsausweis sind Bauteilaufbauten und Fensterdaten besonders wichtig; für den Verbrauchsausweis vollständige Abrechnungszeiträume und Angaben zu Leerständen.
Was erhalten Sie?
Sie erhalten den passenden Energieausweis und eine Einordnung der wesentlichen Ergebnisse. Wenn Sie daraus Sanierungsmaßnahmen ableiten möchten, kann ein individueller Sanierungsfahrplan die nächsten Schritte strukturieren.